














































In der öffentlichen und bildungspolitischen Diskussion wird immer auf die Bedeutung der Praxis für die Professionalisierung von (angehenden) Lehrkräften verwiesen, so dass z.B. Praxisphasen im Lehramtsstudium zunehmend ausgeweitet werden. Denn trotz gegenteiliger Forschungsbefunde (Hascher 2012; König et al. 2018) hält sich die intuitive Annahme hartnäckig, der Lehrberuf werde in der schulischen Praxis und vor allem durch das eigene Handeln erworben. Auch auf das beständig schlechte Abschneiden des deutschen Bildungssystems in nationalen und internationalen Leistungstests wird nicht mit einer Ausweitung universitärer Inhalte und damit einer stärkeren theoretischen Fundierung pädagogischen Handelns reagiert; die Ursachen werden vielmehr in einer vermeintlichen Irrelevanz von Studieninhalten für die pädagogische Praxis ausgemacht. Denn einher gehen mit dieser Überhöhung schulischer Praxis für die Professionalisierung von Lehrkräften Anfragen an die Legitimität der universitären Phase und ihrer Inhalte. Der universitären Lehrkräftebildung wird dabei vorgeworfen, praxisferne Inhalte zu vermitteln, die für das spätere berufliche Handeln von Lehrkräften weitgehend unbrauchbar seien.
Im Rahmen des Vortrags soll aus unterschiedlichen professionstheoretischen Perspektiven die Bedeutung theoretischen Wissens für pädagogisches Handeln in der schulischen Praxis aufgezeigt werden.
Theorie ist folglich unerlässlich für pädagogisches Handeln. Im Sinne des Technologiedefizits kann dieses allerdings nicht in Form eines Rezeptwissens in der schulischen Praxis zur Anwendung kommen. Vielmehr stellt das Handeln von Lehrkräften in der pädagogischen Praxis selbst den „gesellschaftliche[n] Ort der [systematischen, CR] Vermittlung von Theorie und Praxis“ (Oevermann 1996, 80) dar.
Literatur
Kunter, M., Baumert, J., Blum, W., Klusmann, U., Krauss, S., & Neubrand, M. (Hrsg.). (2011). Professionelle Kompetenz von Lehrkräften: Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münster: Waxmann.
Bönke, N., Klusmann, U., Kunter, M., Richter, D. & Voss, T. (2024). Long-termin changes in teacher beliefs and motivation: Progress, stagnation or regress. Teaching an Teacher Education, 141, pp. 1-14.
Hascher, T. (2012). Forschung zur Bedeutung von Schul- und Unterrichtspraktika in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Beiträge zur Lehrerbildung 30(1), 87-98.
Helsper, W. (2021). Professionalität und Professionalisierung pädagogischen Handelns. Eine Einführung. Opladen/Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Hericks, U., & Keller-Schneider, M. (2012). Was wissen wir über die berufliche Entwicklung von Lehrerinnen und Lehrern? Berufswahlmotive – Entwicklungsaufgaben – Anforderungen und Bewältigungsprozesse. PÄDAGOGIK, 64(5), 42–47.
Hericks, U., Keller-Schneider, M., & Bonnet, A. (2018). Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern in berufsbiographischer Perspektive. In M. Harring, C. Rohlfs, & M. Gläser-Zikuda (Hrsg.), Handbuch Schulpädagogik (S. 597–607). Münster: Waxmann.
König, J., Rothland, M. & Schaper, N. (2018). Learning to Practice, Learning to Reflect? Ergebnisse aus der Längsschnittstudie LtP zur Nutzung und Wirkung des Praxissemesters in der Lehrerbildung. Wiesbaden: Springer VS.
Oevermann, U. (1996). Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns. In A. Combe & W. Helsper (Hrsg.), Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. (S. 70-182). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.